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"Die deutschsprachige Literatur hat eine große Kraft"

Ein Gespräch mit Dr. Kristina Hasenpflug

Lesen hat im Corona-Jahr 2020 einen Aufschwung erlebt: 25 Prozent der Deutschen greifen häufiger zum Buch als vor der Pandemie. Über mehr Zulauf konnte sich auch der Deutsche Buchpreis freuen. Das zweite Jahr in Folge steigt die Zahl der Einreichungen auf einen bisherigen Höchstwert: 125 deutschsprachige Verlage schickten insgesamt 197 Titel ins Rennen um den Roman des Jahres.

Das dürfte unsere Gesprächspartnerin besonders freuen: Dr. Kristina Hasenpflug ist Geschäftsführerin der Deutsche Bank Stiftung, die den Preis als Hauptförderer unterstützt. Vier Fragen über die (für manche) schönsten Seiten des Lebens.

Frau Dr. Hasenflug, eingangs haben wir beschrieben, dass das Buch durch die Pandemie an Bedeutung gewonnen hat. Ist das ein Trend, der bleibt?

Die von Ihnen beschriebene Konjunktur des Lesens ist wirklich sehr erfreulich. Ob die Lesefreudigkeit der letzten Monate ein Trend ist, der sich fortsetzen wird, oder dem zurückgezogenen Leben während der Covid-19-Pandemie, als das öffentliche und gesellschaftliche Leben quasi stillstand, geschuldet ist, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Der große und vielfältige deutsche Buchmarkt jedenfalls macht genügend Angebote, um auch in anderen Zeiten mit Vergnügen zu lesen.

Mit 25.000 Euro Preisgeld wird der Autor des Siegertitels ausgezeichnet. Was bedeutet der Deutsche Buchpreis für die Branche und seine Titelträger – über den monetären Wert hinaus?

Der Deutsche Buchpreis wirkt weit über das Preisgeld hinaus und ist für die gesamte deutschsprachige Literaturszene von großer Bedeutung. Mit dem mehrstufigen Auswahlverfahren, mit Long- und Shortlist und der Preisverleihung am Ende, werden die nominierten Romane über viele Wochen in den Feuilletons und in Blogs besprochen oder auf Lesungen vorgestellt und so in der öffentlichen Aufmerksamkeit gehalten. Das hat auch erfreulicherweise Auswirkungen auf die Verkaufszahlen, nicht selten avancieren bereits Bücher aus den Nominierten-Listen zu Bestsellern.

2021 wurde das erste Mal auch der Sachbuchpreis verliehen. Ausgezeichnet wurde mit „Hegels Welt“ von Jürgen Kaube eine Heldenbiografie. Warum dieser Preis und warum jetzt?

Uns erschien es naheliegend, neben der Belletristik auch dem Sachbuch mit einem eigenständigen Preis eine Bühne zu geben. Während die Belletristik die Welt ästhetisch reflektiert, fokussiert und verhandelt das Sachbuch gesellschaftlich relevante Themen – historische wie gegenwärtige. So wird das Anliegen, zur Auseinandersetzung mit vielfältigen kulturellen, gesellschaftlichen und politischen wie wissenschaftlichen Fragen einzuladen und eine öffentliche Diskussionskultur zu stärken, noch einmal intensiviert.

Haben Sie ein persönliches, deutschsprachiges Lieblingsbuch?

Als passionierte Leserin hatte ich so viele hervorragende Werke in den Händen, dass ich nicht sagen kann, welches mein Lieblingsbuch wäre. Für mich hat die deutschsprachige Literatur in Vergangenheit wie Gegenwart eine große Kraft, und es gibt noch so viele Titel zu entdecken – vielleicht fragen Sie mich in 20 Jahren nochmal.


KristinaHasenpflug
© Deutsche Bank Stiftung

Dr. Kristina Hasenpflug

Geschäftsführerin der Deutsche Bank Stiftung

Dr. Kristina Hasenpflug studierte Germanistik, Geschichte und Politik; nach ersten Berufsjahren als wissenschaftliche Mitarbeiterin wechselte sie 2000 als Ressortleiterin für Kunst und Kultur sowie Bildung zur Wüstenrot Stiftung. Seit 2016 ist sie Geschäftsführerin der Deutsche Bank Stiftung, die sich für Projekte engagiert, die den Nachwuchs fördern, kulturelle Erfahrungsräume öffnen oder den Austausch zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen ermöglichen. Ehrenamtlich ist sie im Vorstand der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt tätig.


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Deutscher Buchpreis 2021

Preisverleihung am 18. Oktober von 18 bis 20 Uhr

Wer hat den "Roman des Jahres" verfasst? Sechs Finalistinnen und Finalisten sind im Rennen um die begehrte Auszeichnung. Die Preisverleihung findet am 18. Oktober 2021 von 18 bis 20 Uhr im Frankfurter Römer statt. Vergeben wird der Preis von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Bereits seit 2014 ist die Deutsche Bank Stiftung Hauptförderer der Auszeichnung. Weitere Partner sind die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt bei der Medienarbeit.

https://www.deutsche-bank-stif...


Veröffentlicht: 20.08.2021


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