Joanna_Szlauderbach
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Kreative Lösungsansätze für die Herausforderungen der Gesellschaft

Kultur- und Kreativpilot*innen gesucht! Wir haben zum deutschlandweiten Ausschreibungsstart der Auszeichnung mit Projektleiterin Joanna Szlauderbach gesprochen und sie gebeten, uns das Projekt vorzustellen.

Sie suchen wieder Menschen, die Mut beweisen, Engagement zeigen und die Welt etwas besser machen. Was ist genau die Idee hinter den Kultur- und Kreativpiloten?

Zum kreativen Unternehmer*innentum gehört viel Mut: Die Gründer*innen begeben sich mit ihren innovativen Projekten meist auf unternehmerisches Neuland, müssen mit Ideen überzeugen, für die es noch keine Blaupausen gibt. Hinter den innovativen Köpfen stecken also überzeugte Unternehmer*innen, deren intrinsische Motivation ihnen den Antrieb gibt, sich trotz aller Hürden ihren Gründungen zu verschreiben. Es sind aber grade diese Innovationen, die unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft braucht, um in eine erfolgreiche Zukunft zu starten. Deshalb zeichnet die Bundesregierung jedes Jahr 32 Unternehmen aus, die der Kultur- und Kreativwirtschaft ein Gesicht geben: Einer Branche, die für den Wirtschaftsstandort Deutschland von großer Bedeutung ist.

Wer kann sich bei Ihnen als Kultur- und Kreativpilot bewerben?

Es können sich alle Unternehmen bewerben, die in der Kultur- und Kreativwirtschaft oder deren Schnittstellen angesiedelt sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Idee für die Gründung zunächst nur auf dem Papier existiert oder das Unternehmen bereits erfolgreich am Markt ist. Vom*von der Soloselbständigen bis zum Team, ob mit abgeschlossenem Studium oder als Quereinsteiger*in, Expert*in oder Neuling – jede*r kann sein*ihr Projekt einreichen. Wir freuen uns außerdem sehr über Bewerbungen aller Geschlechteridentitäten, beruflicher und kultureller Hintergründe, Altersgruppen, sexueller Orientierungen und von Bi_PoC, und Menschen mit Behinderung. Unternehmenssitz in Deutschland gehört darüber hinaus zur formalen Voraussetzung.

Aus Ihrer Erfahrung der letzten Jahre: Zu welchen Themen und aus welchen Kreativbereichen verzeichnen Sie die meisten Einreichungen – können Sie das grob einschätzen?

Grundsätzlich ändert sich das von Jahr zu Jahr. Interessant ist aber, dass wir aus den Bewerbungen häufig Trends ausmachen können: Was sind die Themen, in denen Innovationen in Deutschland aktuell vorangetrieben werden? Was bewegt die Gesellschaft und an welchen Stellen werden Lösungsansätze für die vorhandenen Herausforderungen benötigt? Aus diesem Grund haben wir die letzte Bewerbungsphase, in der wir 765 Einreichungen verzeichnen konnten, gemeinsam mit den Zukunftsforscher*innen von Third Wave auf relevante Themen ausgewertet.

Der dabei entstandene Trendreport zeichnet ein Bild von Kreativen und Kulturschaffenden, die ein feines Gespür für die Veränderungen in der Gesellschaft haben und schnell ins Machen kommen, um zum positiven Wandel beizutragen. Einige Themen wurden dabei vom Über-Thema Corona beeinflusst: physische und psychische Gesundheit und Ideen für Kinder weisen immer wieder einen solchen Zusammenhang auf. Besonders stechen aber auch die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz sowie Digitalisierung heraus, die in der Mehrzahl der Einreichungen mindestens indirekt eine Rolle spielten. Ein großes Thema ist das von Teilhabe und Diversität. Es ist auffällig, welche Vielzahl von Projekten sich für marginalisierte beziehungsweise benachteiligte Gruppen wie BIPoC5, LGBTQI+ 6 oder Menschen mit Behinderungen einsetzen und Räume schaffen, sowohl analog, digital oder publizistisch. Und nicht zuletzt beschäftigten sich viele Unternehmen mit dem Thema Ernährung.

Und umgekehrt: Gibt es ein Thema, das Sie sich noch stärker im Fokus wünschen würden?

Wir haben hier keine Agenda und lassen uns immer wieder vom Einfallsreichtum der Kreativen überraschen. Sie sind wichtige Seismographen für relevante Veränderungen in der Gesellschaft und über sie erfahren wir, was die Menschen aktuell bewegt, wo sich aktuelle Herausforderungen befinden – denn sie bieten wichtige Lösungsansätze dafür.

Eine Jury wählt nach dem 30. Juni die diesjährigen Gewinnerinnen und Gewinner aus. Wer sind die Entscheider? Und wie gestaltet sich das Auswahl-Verfahren?

Die Jury setzt sich aus Expert*innen aus Wirtschaft, Kultur, Politik, Hochschulwesen und Journalismus zusammen. Aus den eingegangenen Bewerbungen werden, nach einer vereinsinternen Vorauswahl, rund 100 Unternehmen zu den Auswahlgesprächen eingeladen.

In den digitalen – und in diesem Jahr auch endlich wieder analog – stattfindenden Gesprächsrunden mit den Juror*innen werden die Unternehmer*innen eingeladen, sich mit den Juror*innen auszutauschen und ihr Projekt vorzustellen. Das Besondere am Auswahlverfahren der Kultur- und Kreativpilot*innen Deutschland: Auf die Bewerber*innen wartet weder Prüfung noch Pitch. Vielmehr steht das Kennenlernen der Unternehmer*innenpersönlichkeiten im Vordergrund, der gegenseitige Austausch mit der Jury. Dabei bemühen wir uns, die Bedingungen bei den Auswahlgesprächen ständig zu verbessern und uns kritisch zu reflektieren, um ein Setting zu schaffen, in dem sich alle sicher fühlen. Denn am Ende des Tages wünschen wir uns, dass sowohl Bewerber*in als auch Juror*in um viele Impulse bereichert aus den spannenden Gesprächen gehen.

Jedes Unternehmer*innenteam führt am Auswahltag drei Gespräche mit drei unterschiedlichen Jury-Teams. Wir setzen hier auf eine interdisziplinäre Zusammensetzung dieser Teams, um möglichst viele Perspektiven auf das Projekt zu gewährleisten.

Einmal ausgezeichnet, wie geht es dann weiter – was wartet auf die Kultur- und Kreativpilot*innen?

Wir begleiten die Titelträger*innen über den Verlauf eines Jahres mit einem auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Peer Learning und Mentoring-Programm. Wir geben ihnen in Workshops Rückenwind für ihre Unternehmungen und in persönlichen Coachings wertvolle Impulse. Über Peer-Learning und mithilfe von Expert*innenwissen bekommen sie den Anschub, den sie in ihrer individuellen unternehmerischen Situation gerade brauchen. Und sie werden Teil des einzigartigen inotiv-Netzwerks, das aus Alumnis des Programms und Expert*innen im gesamten Bundesgebiet besteht, das ihnen Unterstützung bei der Weiterentwicklung ihrer Ideen und Vorhaben bietet.

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Johanna Szlauderbach

Projektleiterin für die Auszeichnung Kultur- und Kreativpilot*innen Deutschland beim u-institut e.V.

Joanna Szlauderbach ist seit 2020 als Projektleiterin für die Auszeichnung Kultur- und Kreativpilot*innen Deutschland beim u-institut e.V. tätig und Teil des Strategieteams des u-instituts. Zuvor hat sie den Veranstaltungsbereich des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes geleitet. Seit 2011 arbeitet sie international als freie Kuratorin und Kulturmanagerin an der Schnittstelle zwischen Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und neuen Technologien. Zu ihren Schwerpunkten zählen vor allem prozessorientierte, trans- und interdisziplinäre Ansätze. Vor ihrem Einstieg beim u-institut hat sie diverse EU-Projekte, Ausstellungs- und Labkonzepte entwickelt, u.a. in Zusammenarbeit mit Bosch Alumni Netzwerk, Connecting Cities Network, CTM-Festival, FutureEverything-Festival, ICAS Network, NRW Forum, Trans-Media-Akademie Hellerau.

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Kultur- und Kreativpilot*innen Deutschland

die Auszeichnung der Bundesregierung für die Kultur- und Kreativwirtschaft

Jedes Jahr zeichnet die Bundesregierung 32 Unternehmen als Kultur- und Kreativpilot*innen Deutschland aus. Bewerben können sich Unternehmen, Selbständige, Gründer*innen und Projekte aus der Kultur- und Kreativwirtschaft und deren Schnittstellen zu anderen Branchen. Bei der Auszeichnung steht die Unternehmer*innenpersönlichkeit im Mittelpunkt. Die Titelträger*innen nehmen an einem einjährigen, individuell abgestimmten Mentoring-Programm teil. Dazu gehören Workshops, die Begleitung durch zwei Coaches, der Austausch mit den anderen Teams und mit Expert*innen sowie die bundesweite Aufmerksamkeit durch die Titelvergabe.

Ideengeber und Organisator der Auszeichnung im Rahmen des Projektauftrags durch die Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung ist der u-institut für unternehmerisches Denken und Handeln e.V. unter Leitung von Sylvia Hustedt und Christoph Backes.

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Veröffentlicht: 23.05.2022


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