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Verlagstrends 2023: Einsatz von KI mit größtem Bedeutungszuwachs

Demografischer Wandel, Cybersicherheit und Fachkräftemangel als Herausforderungen | Verlage packen Nachhaltigkeitsthemen an – über die gesetzlichen Verpflichtungen hinaus

Den größten Sprung in der Bedeutung für die Transformation der Verlage macht die künstliche Intelligenz. Der demografische Wandel bleibt das wichtigste Zukunftsthema für die Verlagsbranche. Daneben haben Automatisierung durch KI, Cybersicherheit sowie geopolitische Themen stark an Relevanz gewonnen. Dadurch verändert sich die Gewichtung einzelner Megatrends. Dies unterstreicht die Studie „Verlagstrends 2023 – Megatrend Nachhaltigkeit: Verlage gestalten die Transformation“ des Medienverbands der freien Presse (MVFP) und KPMG in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Thomas Hess von der LMU München. Die Ergebnisse basieren auf einer Befragung von 117 deutschen Verlagshäusern unterschiedlicher Größe und Ausrichtung. Das Schwerpunktthema Nachhaltigkeit zeigt, dass die Verlage mit ihren bereits ergriffenen Maßnahmen über den gesetzlichen Anforderungen liegen.

Megatrends: Demografischer Wandel und New Work im Fokus, KI und Cybersicherheit gewinnen an Bedeutung
Unter den Megatrends macht künstliche Intelligenz (78 Prozent, +32 Prozentpunkte ggü. 2020*) den größten Bedeutungssprung. Der demografische Wandel behält seine zentrale Rolle: Für 85 Prozent der Medienhäuser (+18 Prozentpunkte ggü. 2020) ist dieser Trend von großer oder sogar existenzieller Bedeutung mit Blick auf die Veränderung von Lesegewohnheiten und -präferenzen, die sich wiederum auf das Medienangebot auswirken. Eng mit dem demografischen Wandel verknüpft ist der Fachkräftemangel, mit dem auch die Verlage ringen. Entsprechend gewinnt das Thema ‚New Work‘ an Relevanz (73 Prozent, +15 Prozentpunkte ggü. 2020). Die Thematik impliziert neben flexiblen Arbeitszeitmodellen, mehr Diversität und Chancengleichheit ebenfalls den Umgang mit dem Fachkräftemangel. In diesem Zusammenhang hat das Thema Automatisierung enorm an Bedeutung gewonnen, Auch die Sensibilität gegenüber Cyberrisiken ist sehr deutlich gestiegen: 75 Prozent der Verlage halten Cyberangriffe für ein ernstzunehmendes Geschäftsrisiko (+27 Prozentpunkte gegenüber 2020).

„Die Presseverlage befinden sich mitten in der nächsten Transformationsstufe: von Print hin zu einem plattformagnostischen Ansatz – die jeweiligen Communitys werden dabei über jeden gewünschten Kanal bedient“, unterstreicht MVFP-Bundesgeschäftsführer Stephan Scherzer. „KI zündet nur eine weitere Antriebsstufe, die all das, was wir bisher an Veränderungswucht und vor allem Geschwindigkeit erlebt haben, in den Schatten stellt.“

Strategische Schwerpunkte: Prozessoptimierung und Innovationsfähigkeit bleiben hoch im Kurs, Personalthemen, neue Technologien und Content-Formate gewinnen an Bedeutung
Die strategische Ausrichtung der Verlagshäuser spiegelt die Megatrends wider: Neben der Optimierung von Prozessen und Arbeitsabläufen (82 Prozent, +12 Prozentpunkte ggü. 2020) sowie der Verbesserung der Innovationsfähigkeit (82 Prozent, +16 Prozentpunkte ggü. 2020) sind insbesondere Recruiting und Mitarbeiterbindung für 74 Prozent der Befragten von großer strategischer Bedeutung (+21 Prozentpunkte ggü. 2020). Der Einsatz innovativer Technologien wie KI, Big Data oder VR werden von 51 Prozent der Befragten als wichtige Erfolgs- und Wachstumsfaktoren eingestuft (+20 Prozentpunkte ggü. 2020). Gleichzeitig erfordert dies neue Kompetenzen in den Verlagen und verstärkt den Fokus auf die strategische Bedeutung des Personalthemas. Datenschutz, IT-Compliance und Cybersecurity gewinnen deutlich an Relevanz und setzen den Trend der letzten Jahre fort (68 Prozent, +25 Prozentpunkte ggü. 2020). Im Digitalgeschäft der Medienhäuser gewinnen neue Content-Formate wie Bewegtbild und Video zunehmend an Gewicht (54 Prozent, +22 Prozentpunkte ggü. 2020).

Verlage intensivieren ihre Nachhaltigkeitsmaßnahmen – über ihren gesetzlichen Verpflichtungsgrad hinaus
Der Fokus der diesjährigen Verlagsstudie liegt auf Nachhaltigkeit in den Medienhäusern. Dabei wird deutlich, dass das Thema in der Branche angekommen ist, obwohl die EU-Richtlinie zur verpflichtenden Nachhaltigkeitsberichterstattung (Corporate Sustainability Reporting Directive, CSRD) für die meisten Verlage in der Stichprobe erst zu einem späteren Zeitpunkt greift. Unabhängig davon beschäftigen sich die Medienhäuser mit dem Thema, passen ihre Organisationen, Geschäftstätigkeiten und Prozesse an. Mehr als zwei Drittel der Befragten identifizieren Nachhaltigkeit als ein wichtiges Zukunftsthema. 64 Prozent der Verlage geben an, dass sie eine Brancheninitiative zur Nachhaltigkeit begrüßen und aktiv unterstützen würden. Zudem sind sich viele Medienhäuser ihrer Rolle als Aufklärer und Meinungsbildner in der Gesellschaft bewusst: 52 Prozent geben an, Aufklärungsarbeit zu leisten und regelmäßig über Nachhaltigkeitsthemen zu berichten. 62 Prozent achten auf Nachhaltigkeitszertifikate ihrer Lieferanten und Geschäftspartner. 46 Prozent der Befragten verfügen über eine klare Nachhaltigkeitsstrategie, 55 Prozent versuchen bereits heute, ihre Emissionen zu reduzieren und 41 Prozent schulen ihr Personal zu Nachhaltigkeitsthemen. Auch die gesellschaftliche Relevanz des Themas ist der Mehrheit der Medienhäuser bewusst: 62 Prozent gehen davon aus, dass ihre Leserinnen und Nutzer eine zunehmende Umstellung auf nachhaltiges Wirtschaften erwarten und fast die Hälfte (45 Prozent) erkennt Nachhaltigkeit als wichtiges Thema für erfolgreiches Employer Branding und Recruiting. Einige Verlage berichten bereits über ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten. Ein umfangreiches Reporting entlang der drei ESG-Dimensionen wird aktuell von rund 20 Prozent praktiziert. Der Umfang der Berichterstattung variiert dabei stark nach Firmengröße.

„Die Berichterstattung über Nachhaltigkeit ist wichtig, um Transparenz, Glaubwürdigkeit und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, gesetzliche Anforderungen zu erfüllen und ESG-sensibilisierte Investoren oder Kapitalgeber zu überzeugen. Die Orientierung an Standards und Richtlinien ist für ein systematisches Nachhaltigkeitsmanagement und Reporting eine notwendige Voraussetzung“, erläutert Dr. Markus Kreher, Head of Technology, Media & Telecommunications bei KPMG, und empfiehlt: „Die Verlagsbranche sollte sich verstärkt mit diesen Themen auseinandersetzen.“

„Die Nutzung innovativer Technologien kann für viele Verlage eine wichtige Hilfe bei der Kontrolle und Steuerung ihrer Nachhaltigkeitsaktivitäten sein“, ergänzt Prof. Dr. Thomas Hess, Direktor des Instituts für Digitales Management und Neue Medien von der LMU München. „Künstliche Intelligenz und Data Analytics können eine effiziente und damit kostengünstige Lösung für die Überwachung und Auswertung der Nachhaltigkeitsdaten sein. Natürlich spielt weiterhin das klassische IT-Management eine wichtige Rolle. Ohne den zuverlässigen Betrieb der IT-Systeme und der Gewährleistung von Sicherheit und Datenschutz funktioniert weder die digitale noch die nachhaltige Transformation.“

„Die Transformation hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft zählt zu den drängendsten Herausforderungen unserer Zeit. Die MVFP-Mitgliedsverlage beschäftigen sich aktiv mit Nachhaltigkeitsfragen und arbeiten mit hohem Engagement an der Umsetzung nachhaltiger Lösungen sowie ökologischer Innovationen“, resümiert Lutz Drüge, Geschäftsführer Fachvertretung Publikumsmedien im MVFP. „Damit demonstrieren sie Verantwortung gegenüber Klima, Umwelt und Gesellschaft und unterstreichen, wie tief das Bewusstsein für die gesamtgesellschaftliche Relevanz von Nachhaltigkeit in den Medienhäusern bereits heute verankert ist.“

Die Studie „Verlagstrends 2023 – Megatrend Nachhaltigkeit: Verlage gestalten die Transformation“ ist ein Kooperationsprojekt des Medienverbands der freien Presse (MVFP) und der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, durchgeführt in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Thomas Hess und Dr. Antonia Köster. Dafür wurden im Frühjahr 2023 insgesamt 117 deutsche Verlage unterschiedlicher Größe und Ausrichtung befragt. Knapp die Hälfte der befragten Verlage hat ihren Schwerpunkt in den Segmenten der Fach- und Publikumszeitschriften. Insgesamt 37 Prozent der befragten Unternehmen beschäftigen weniger als 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Befragten haben größtenteils Management-Verantwortung: Der Großteil der Befragten sind Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer oder Mitglieder der Geschäftsführung, Bereichs- oder Abteilungsleitung sowie Mitglieder der Stabsstelle Strategie und Unternehmensplanung.

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