Aktion "virtueller Kleiderberg" des FranfkurtFashionMovement
© Ben Kilb

Global vernetzt, lokal aktiv: Nachhaltige Mode in Frankfurt

Ein Gastbeitrag von Maike Thalmeier, Gründerin von UBERMUT Studio für Kommunikation

Wir tragen Mode jeden Tag direkt auf unserer Haut; kaum etwas ist uns näher. Kleidung wärmt, kühlt und schützt uns, gibt uns Selbstvertrauen sowie die Möglichkeit, uns auszudrücken. Mode kann eine tragbare "Leinwand" sein. Sie bietet sowohl ihren Träger:innen als auch Kreativschaffenden der Modebranche unendliche Möglichkeiten.

Die textile Herstellungskette aber ist leider lang, komplex und von Missständen geprägt. An ihrem Anfang verdienen Millionen von Arbeiter:innen keine existenzsichernden Löhne und sind teils gravierenden Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. An ihrem Ende entstehen jedes Jahr riesige Müllberge, weil Kleidung günstig gekauft, kaum getragen und weggeworfen wird. Die Auswirkungen von Fast Fashion.

Doch Mode geht auch anders. Schon seit 1997 findet beispielsweise hier in Hessen im beschaulichen Hofheim-Wallau zwischen Frankfurt und Wiesbaden die Pionierfachmesse für nachhaltige Mode statt: die Innatex.

Die von Idealisten geprägte Branche wie auch die Fachmesse wurden zu Beginn noch belächelt. Aber beide haben sich schnell professionalisiert: Richtige Schnitte kamen, Farben hielten und nicht zuletzt wurden Orderzyklen etabliert. Auch die Themen haben sich weiterentwickelt: Wo es zunächst um grundlegendes wie Pestizide, Schwermetalle und Co. ging – dabei ist zu bedenken, dass die Innatex vor der Gründung heute etablierter Standards wie IVN Best und GOTS begann – geht es heute auch um Verantwortung in der Lieferkette, Klimaschutz und Zirkularität.

Seit 2019 begleiten wir mit UBERMUT die Innatex in der Kommunikation. Und haben uns natürlich direkt in unserer Heimatstadt Frankfurt und unserer Region umgeschaut: Wen gibt es noch, den diese Themen bewegen? Und warum gibt es hier eigentlich keine aktive Fashion Revolution Gruppe?

Die weltweit größte Mode-Aktivismus-Bewegung Fashion Revolution gründete sich nach dem Einsturz der Rana Plaza Textilfabrik in Bangladesch im Jahr 2013. Damals verloren über 1.100 Menschen ihr Leben, tausende weitere wurden verletzt. Als globale Bewegung mit Büros und ehrenamtlichen Teams in 90 Ländern setzt sich Fashion Revolution für eine saubere, sichere, faire, transparente und verantwortliche Modeindustrie ein. Der Tag des Fabrikeinsturzes ist ein Gedenk- und Aktionstag, an dem Fashion Revolution unter dem Hashtag #whomademyclothes und #whatsonmyclothes Modeunternehmen zu Transparenz aufruft und weltweit Kampagnen und Veranstaltungen stattfinden.

Die Innatex-Macher:innen hatten mich schnell mit Fashion Revolution Germany vernetzt und ich habe die Ambassador-Rolle für Frankfurt übernommen. Als ich Rebecca Espenschied traf, die ähnliche Fragen umtrieben, beschlossen wir, unsere Kräfte zu bündeln und gründeten 2019 das Frankfurt Fashion Movement.

Im Wesentlichen sind wir ein Netzwerk engagierter Menschen aus dem nachhaltigen Textil- und Lifestyle-Bereich: Mode-, Schmuck & Accessoire-Labels wie Alma, Charlotte am Main, creätr, Dreilettercode, early und Passepartout, Läden wie Glore und Oständstore, Stylist:innen wie Come.on.closet, Fotograf:innen, Influencer:innen wie Bumoka und Kommunikationsprofis, nicht zu vergessen die Innatex und andere tragen gemeinsam als lokaler Teil die globale Fashion Revolution Kampagne.

Und die lokale Green Fashion Community wächst: Immer wieder lernen wir neue spannende Menschen und Labels kennen wie Sonhostories und Vidar Sports. In der Green Fashion Map Frankfurt finden sich weitere Labels und Stores, die nachhaltige Mode zugänglich machen.

Mit Frankfurt Fashion Movement geht es uns darum, gemeinsam auf dem Weg zu sein, Fragen zu stellen, sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Aber auch sichtbar zu machen, wie sich Mode auf unseren Planeten auswirkt, warum Menschen unter schlechten Arbeitsbedingungen leiden und was jede und jeder ganz einfach tun kann, um einen positiven Einfluss zu haben.

Da die sozialen und ökologischen Auswirkungen der Textilindustrie in unserem Alltag hier im globalen Norden kaum erlebbar sind, haben wir zur diesjährigen Fashion Revolution Week beide Enden der Herstellungskette sichtbar gemacht: Den oft vergessenen ersten Teil der textilen Wertschöpfungskette mit 55 Menschen, die im Durchschnitt an der Herstellung eines T-Shirts beteiligt sind und das Ende der Kette in Form eines virtuellen Kleiderbergs, den jede:r vor Ort live auf dem eigenen Smartphone erleben konnte.

Aktion "virtueller Kleiderberg" des FranfkurtFashionMovement
© Ben Kilb
Aktion "virtueller Kleiderberg" des FranfkurtFashionMovement

Ort und Zeitpunkt der Aktion waren bewusst gewählt: An einem Samstagnachmittag am Frankfurter Rathenauplatz, wo die Goethestraße mit ihren Luxus-Stores und die Zeil als eine von Deutschlands umsatzstärksten Einkaufsstraßen aufeinandertreffen. Abgerundet wurde alles durch die Ausgabe von Affirmationskarten, die zu einem positiven Umdenken hin zu einem bewussten Konsum ermutigen.

Die Installation haben wir mit der Augmented Reality Künstlerin Maiken Laackmann von der Frankfurter Freitagsküche entwickelt und zusammen mit Lust auf besser Leben umgesetzt, die ebenfalls Teil unseres Netzwerks sind. Denn das ist ein weiterer Kern von Frankfurt Fashion Movement: Wir glauben fest an die Kraft des Miteinander statt Konkurrenz. Zusammen lässt sich einfach mehr bewegen! Und zu bewegen haben wir trotz allem noch einiges.

»Denn das ist ein weiterer Kern von Frankfurt Fashion Movement: Wir glauben fest an die Kraft des Miteinander statt Konkurrenz. Zusammen lässt sich einfach mehr bewegen!«

Seit letztem Jahr hat Frankfurt nun auch eine Fashion Week, die sich nachhaltige Mode auf die Fahnen geschrieben hat.

Highlights und Tipps für die Frankfurt Fashion Week (20.-26. Juni 2022):

  • Transforming Frankfurt Fashion: Neben Talks, Workshops und Performances wird unser Augmented Reality Kleiderberg wieder erlebbar sein. 20.-22. Juni, Alte Seilerei.
  • Schaufensterausstellung: „Fashion im Kiez“ haben wir letztes Jahr gemeinsam mit Lust auf besser Leben zur Fashion Week entwickelt. 20. Juni -3. Juli in fünf Schaufenstern in Sachsenhausen.
  • TU DU Wall: Passend zu den 17 Nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen haben wir einfache Vorschläge beigesteuert, die Besucher:innen mitnehmen und in ihren Alltag integrieren können. 24.-26. Juni, Neonyt, Unionhalle.
  • Panel Talk: „Taking Action. Nachhaltiges Engagement in Unternehmen, Organisationen und von Privatpersonen“ unter anderem mit Salma Akli-Bichowski vom Frankfurt Fashion Movement / Fashion Revolution Frankfurt. 26.Juni. 13:00 – 13:30 Uhr. Neonyt Lab, Unionhalle.

Außerdem freuen wir auf ein ganz besonderes Fest Ende Juli: Die Innatex feiert 25 Jahre nachhaltige Mode mit ihrer 50. Ausgabe. 29.-31. Juli, Hofheim-Wallau.


Maike Thalmeier
© Anna Pekala für UBERMUT

Maike Thalmeier

Gründerin von UBERMUT Studio für Kommunikation

Maike Thalmeier gründete gemeinsam mit einer befreundeten Designerin und einer befreundeten Autorin das Kommunikationsstudio UBERMUT. Dort bringt die Konzepterin ihre langjähriger Erfahrung aus der Agentur- und Kommunikationsbranche ein. 

Logo UBERMUT

UBERMUT Studio für Kommunikation

Gemeinsam unterstützt das Team verschiedenste Projekte und Kunden (darunter die Innatex) im Nachhaltigkeitskontext mit Ausstellungs- und Kommunikationsdesign, Content-Erstellung, Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Social Media, kreativen Konzepten und Beratung. Den Netzwerkgedanken immer im Hinterkopf. So auch beim Klimagourmet-Festival, das sie mit der Stadt Frankfurt initiiert haben und welches Genuss & Klimaschutz zusammenbringt – aber das ist ein anderes Kapitel.

ubermut.de

Veröffentlicht: 22.06.2022


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