Kultur- und Kreativwirtschaft in der EU

Die Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft (KKW) in der Europäischen Union nimmt immer stärker zu. Sie ist nicht nur ein Ausdruck von Vielfalt und Kreativität − von großen Filmgesellschaften bis zu Kleinstunternehmen, von Architektur bis hin zu Videospielen, bildender Kunst und dem Verlagswesen − sondern bildet einen der dynamischsten Wirtschaftssektoren in Europa. Zahlen belegen, dass sich die Kreativwirtschaft auch gegenüber der Wirtschaftskrise als widerstandsfähig erwiesen hat und einen schnell wachsenden Sektor darstellt, der in erheblichem Maße zur Beschäftigung junger Menschen beiträgt.

Wirtschaftliches Gewicht der KKW

Mit einem Gesamtumsatz von 535,9 Mrd.€ erwirtschaftet die Kultur- und Kreativwirtschaft (KKW) im Jahr 2012 4,2% des europäischen BIP. Die umsatzstärksten Bereiche waren die darstellende Kunst (127 Mrd. EUR), die Werbebranche (93 Mrd. EUR) und das Fernsehen (90 Mrd. EUR), die zusammen mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes der KKW erwirtschaftet haben. Die europäische KKW ist eine der der größten Arbeitgeber in der EU und beschäftigt 2012 3,3 % der erwerbstätigen Bevölkerung. Mit rund 7,1 Mio. Beschäftigten ist sie fünfmal so stark wie die Telekommunikationswirtschaft und wird nur vom Bauwesen und der Gastronomie übertroffen. In den Bereichen darstellende Kunst (1.234.500), bildende Kunst (1.231.500) und Musik (1.168.000) sind jeweils über 1 Mio. Personen beschäftigt, gefolgt vom Werbesektor (818.000), dem Buchsektor (646.000) und der Filmindustrie (641.000). Sieben der 10 weltweit größten Verlage sind in Europa angesiedelt, ebenso wie 5 der 10 weltweit wichtigsten Festivals. 

Potential nutzen

Regierungen vieler Länder der Welt ist das erhebliche Umsatz- und Beschäftigungspotenzial kreativ tätiger Unternehmen bewusst geworden und so versuchen sie nun, mithilfe gezielter politischer Maßnahmen, ihre Kultur- und Kreativindustrie weiterzuentwickeln. Noch ist Europa ein Angelpunkt, muss sich aber gleichzeitig mit einem zunehmend intensiven Wettbewerb auseinandersetzen, sowohl aus entwickelten als auch aus aufstrebenden Ländern.
Deshalb werden in der EU Teile der Kreativwirtschaft und ihrer Branchen öffentlich gestützt, durch Käufe, finanzielle und steuerliche Anreize, Subventionen, Lizenzgebühren oder öffentlich-rechtliche Dienstverhältnisse. Nach Angaben von Eurostat teilten die Regierungen der EU-28 im Jahr 2012 62 Mrd. EUR ihrer Ausgaben Kulturbereichen zu.

EU-Ausschreibungen

Einige Ausschreibungen im aktuellen EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, Horizont 2020, sind auch für Antragsteller aus der Kreativwirtschaft interessant.
Das Programm Creative Europe bietet Fördermöglichkeiten für Kultur- und Kreativschaffende. Informationen und Service rund um die Förderprogramme erteilen die fünf regionalen Büros des Creative Europe Desk Deutschland (http://www.creative-europe-desk.de).
In regelmäßigen Workshops informiert das european centre for creative economy (ecce) über EU-Fördermöglichkeiten für Kreativschaffende (www.e-c-c-e.de).

Alles wird digital

Die Zukunft Europas wird vom digitalen Wandel geprägt sein, der gerade im Begriff ist, unsere gesamte Wirtschaft und Gesellschaft zu durchdringen. Durch neue, hochwertige Content- und Kommunikationstechnologien ist die Kreativindustrie ein Bestandteil der Digitalwirtschaft geworden. Im Verlauf der vergangenen 10 Jahre haben die Umsätze aus dem Digitalsektor auch das Wachstum in der Kreativwirtschaft gefördert, deren Erträge im Zeitraum von 2001 bis 2011 um 30 Mrd. EUR gestiegen sind.
Dank dieser neuen Dienstleistungen und Technologien können Konsumenten für ihren Kulturgenuss auf kreative Werke, die jeden Tag neu entstehen, sofort zugreifen. Verbreitungsdienste wie Suchmaschinen und Plattformen für Benutzer-Inhalte verdanken einerseits ihren Erfolg vor allem dem Zugriff auf kreative Werke, den sie ermöglichen, teilen aber die so geschaffenen Werte oftmals nicht fair mit den Autoren und den entsprechenden Sektoren der Kreativwirtschaft.

Kreativität schätzen und schützen

Der gesetzliche Schutz von geistigem Eigentum ist von größter Bedeutung, um die Kreativität zu erhalten und die Investitionsrendite für Autoren und deren Geschäftspartner zu sichern. Die EU hat einen umfassenden Gesetzesrahmen für den Schutz geistigen Eigentums geschaffen und diesbezügliche Richtlinien auf der Grundlage internationaler Abkommen und Regelungen, wie dem TRIPS-Abkommen, der Berner Übereinkunft und dem Rom-Abkommen, implementiert.

© 2018 Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung     Home  |  Kontakt  |  Datenschutz  |  Impressum