Interview: Rolf Krämer, neuer Referatsleiter Kreativwirtschaft im Wirtschaftsministerium

Herr Krämer, Sie sind seit Jahresbeginn im Hessischen Wirtschaftsministerium für die Kreativwirtschaft zuständig. In welcher Situation sehen Sie die Kreativwirtschaft in Hessen?

Krämer: „Wir erleben da ja gerade eine große Dynamik, und diese Dynamik – das ist das Faszinierende – basiert nicht auf Material- und Ressourcenverbrauch. Die Musikbranche löst sich vom materiellen Tonträger und verlagert sich ins Internet, das E-Book tritt immer mehr neben das gedruckte Buch, der Bewegtbild-Markt explodiert geradezu. Es kommt darauf an, dass die hessische Kreativwirtschaft diese Chancen optimal nutzt. Schon jetzt arbeiten in den verschiedenen Bereichen der hessischen Kultur- und Kreativwirtschaft rund 124.000 Menschen. Rund 12 Milliarden Euro werden in der Branche in Hessen jährlich erwirtschaftet. Hessen ist ja insgesamt ein wirtschaftlich starkes Bundesland, aber hat hier durchaus noch Potentiale, die müssen entwickelt und ausgeschöpft werden."  

Was kann die Landesregierung tun für eine so heterogene Branche, die vom Freiberufler bis zum großen Medienunternehmen und vom klassischen Buchverlag bis zum Entwickler von Computerspielen reicht?

Krämer: „In der Tat sind die Bereiche durchaus vielfältig. Aber sie alle stehen vor der Frage, wie man Kreativität ökonomisch verwertet. Wir glauben, dass in dieser Heterogenität großes Potenzial liegt, voneinander zu profitieren, sich inspirieren zu lassen und dass es dazu eines gewissen kulturell-kreativen Humus‘ bedarf. Zum Teil geht es aber auch darum, unternehmerisches Handwerkszeug zu vermitteln: Wie komme ich an ein Darlehen, wie läuft das mit der kaufmännischen Buchführung, wie kalkuliere ich meine Preise – so etwas lernt man ja nicht unbedingt in jedem kreativen Ausbildungsgang."

Welche konkreten Schritte planen Sie in diesem Jahr?

Krämer: „Es existiert eine Vielzahl von Angeboten des Landes, der Kommunen und des Bundes. Allerdings ist das nicht gerade übersichtlich, und es besteht wohl auch oft ein Vermittlungsproblem, etwa weil Kreative und Freiberufler die Angebote der IHKs nicht erreichen. Wir möchten hier ansetzen, die Angebote vermitteln und bündeln, unsere neue Website www.kreativwirtschaft-hessen.de kann da nützlich sein. Und wir möchten in diesem Jahr den Dialog mit den Teilmärkten starten. Wir wollen erfahren, was die konkreten Bedürfnisse sind und wie wir am besten unterstützen können. Ich denke an Runde Tische, an denen Teilmärkte mit ähnlichen Geschäftsansätzen und Herausforderungen zusammenkommen.“

Spezielle Förderprogramme für die Kreativwirtschaft planen Sie nicht?

Krämer: „Mein Eindruck ist nicht, dass die Kreativwirtschaft von Subvention abhängig ist, es sind eher Rahmenbedingungen, die stimmen müssen. Eine Ausnahme macht gewiss die Filmbranche, deshalb wird die Filmförderung derzeit vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst im Dialog mit der Branche neu organisiert, das ist vielversprechend. Zudem hat Hessen ja bereits vielfältige Förderprogramme, die selbstverständlich auch den Kreativunternehmen offenstehen. Diese Angebote wollen wir überprüfen, um festzustellen, ob sie von Kreativen genutzt werden und wo man sie eventuell nachjustieren muss. Auch dafür wird uns der Branchendialog hoffentlich konkrete Hinweise liefern. Zugleich suchen wir nach Möglichkeiten, europäische Fördermittel für hessische Kreativunternehmen besser zugänglich zu machen. Das bedarf sicher einer intensiveren Beratung über bestehende Programme hier vor Ort aber wohl auch politischer initiative auf europäischer Ebene.“

Sie sind gelernter Jurist – ein Beruf, der seltener im Zusammenhang mit kreativen Leistungen genannt wird…

Krämer: „Ein Trugschluss: Denken Sie allein an das Thema Urheberrecht – der zentrale Rohstoff für eigentlich alle Kreativbranchen und ein weites Feld für Juristen, ich habe da einschlägige Erfahrungen, meine erste Stelle hatte ich in der Medienrechtskanzlei Kornmeier & Schardt. Dann war ich bei einem Kunstvermarkter tätig, und bei der Frankfurter Firma Luna Park 64 war ich unter anderem für eDIT The Filmmaker’s Festival zuständig. In und für die Kultur- und Kreativwirtschaft arbeite ich also schon lange und ich freue mich sehr, dass ich mich jetzt wieder mit ganzer Kraft für sie engagieren kann.“

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