4 Fragen an die Macher von OFF-TOPIC - Konferenz für Popkultur

© Marc Krause

Interview mit dem Leitungstandem der virtuellen OFF-TOPIC Konferenz für Popkultur: Sabine-Lydia Schmidt, Kulturreferentin der Stadt Offenbach, und Oliver Bauer, bis Ende 2019 künstlerischer Leiter und Booker des Robert Johnson Clubs.

Wodurch zeichnet sich die Pop- und Clubkultur in Hessen und speziell in Offenbach aus?

Sabine-Lydia Schmidt: Die großen Musikszenen spielen sich bekanntlich in Berlin und Hamburg ab. Frankfurt und Offenbach standen jahrzehntelang für den Techno, doch auch das hat sich gewandelt bzw. weiterentwickelt. Neben einflussreichen Clubs und vielen neuen Independentlabels haben sich in den letzten Jahren auch ganz spannende und interdisziplinäre Musikfestivals wie beispielsweise das Golden Leaves in Darmstadt, das El Barrio in Frankfurt oder unser Riviera Festival entwickelt. Offenbach vereint auf kleinster Strecke die elektronische Musikszene des Robert Johnson Clubs mit den Indie-Konzertgänger*innen am Hafen 2, und der subkulturellen Counterculture an Waggon & Afip.

Das Riviera Festival präsentiert Offenbachs erste Online-Konferenz für Pop- und Clubkultur „OFF-TOPIC“. Was ist die Idee dahinter?

Sabine-Lydia Schmidt: Die Idee ist schlichtweg: Musikwirtschaft als wichtigen Teil der Kreativwirtschaft sichtbar machen und unterstützen, Pop und Indiemusik in all ihren Facetten zu vermitteln und zu diskutieren. Jetzt auch noch Lösungen finden. Tipps geben. Vernetzen. Bereits bevor absehbar wurde, dass das dezentrale Clubfestival dieses Jahr leider ausfallen muss hatten wir vor, das Festival um eine Diskursplattform und Workshops zu erweitern. Die wollen wir auch gerne bald anbieten, mal sehen ob online oder offline. Es soll ums Weitermachen gehen.

Welche Perspektiven sehen Sie für die hessische Pop- und Clubkultur? Was gibt aktuell Hoffnung?

Oliver Bauer: Im Moment passiert ja schon ziemlich viel. Das Programm Neustart Kultur und die damit einhergehenden Fördermittel wie beispielsweise der Initiative Musik oder Fonds Soziokultur eröffnen viele neue Möglichkeiten, sind aber auch leider nicht für jede*n zutreffend. Die Livebranche und vor allem die Clubs stehen vor großen Herausforderungen, solange es pandemiebedingt zu stark eingeschränkten oder gar keinen Auftrittsmöglichkeiten kommt. Da helfen auch kaum Spenden oder Förderprogramme weiter. Die Betriebe benötigen reale Einnahmen und die vielen Selbstständigenund Solokünstler*innen der Musikbranche drängen aus Not in andere Berufszweige. Um das Ökosystem Musik zu retten braucht es jetzt starke Konzepte. Das Bilden von Netzwerken und das vor Ort miteinander Arbeiten sind jetzt besonders wichtig, Verbände wie der VUT oder BV Pop unterstützen mit ihren jeweiligen Landesvertretungen, auch der Verein Clubs am Main ist engagiert. Wir können jetzt die Weichen stellen für eine nachhaltig organisierte Musikbranche. Auch derzeit offen geführte Diskurse über die Chancengleichheit in der Branche gehen da genau in die richtige Richtung. Die Corona-Pandemie und die einhergehende Krise war für manche, doch auch positive Prozesse ein regelrechter Beschleuniger.

Wer sollte am 10. September unbedingt teilnehmen und warum?

Oliver Bauer: Teilnehmen kann erst einmal jede*r, denn das Programm der Konferenz ist kostenfrei und steht allen Interessierten zur Verfügung. Das können zum Beispiel Musiker*innen sein, die sich über Fördermöglichkeiten informieren möchten, aber auch Festivalgänger*innen, die wissen möchten, wie der Apparat der Musikwirtschaft funktioniert. In den fünf verschiedenen Panels beschäftigen wir uns mit vielfältigen Themengebieten rund um die Pop- und Clubkultur. Für Musikschaffende, Clubbetreiber*innen, Stadtplaner*innen, Politiker*innen, Soziolog*innen, Musikkonsument*innen und viele mehr liefert die Konferenz wertvolle Impulse, sammelt Ideen und gibt einen guten Überblick.

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