4 Fragen: Innovationsprogramm kultur- und kreativwirtschaftliche Geschäftsmodelle und Pionierlösungen

Interview mit Stefan Schnorr, Abteilungsleiter Digital- und Innovationspolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, zum Innovationsprogramm für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen (IGP), das aktuell eine Ausschreibung für kultur- und kreativwirtschaftliche Innovation gestartet hat.

Was ist das Neue, besonders Attraktive an dem Förderprogramm?

Mit der Pilotförderung IGP adressieren wir explizit nichttechnische Innovationen. Bisher stand besonders die Technologieentwicklung im Zentrum der Innovationsförderung. Das ändert sich nun. Und damit kommen verstärkt auch andere Zielgruppen in den Fokus. Wenn Technologien gefördert werden, dann betrifft das oft Unternehmen mit starken Forschungsabteilungen und Technische Hochschulen. Bei der nichttechnischen Innovationsentwicklung treten nun auch zunehmend Branchen wie die Kultur- und Kreativwirtschaft in den Vordergrund.

Das ist natürlich für die betroffenen Branchen gut – aber wir erhoffen uns dadurch auch Impulse, die auf andere Wirtschaftsbereiche ausstrahlen und die Wirtschaft insgesamt stärken. Wenn etwa jemand etwas Bahnbrechendes im Architekturbereich entwickelt, kann davon vielleicht auch die Bau- und Immobilienbranche profitieren und am Ende natürlich auch die Häuslebauer, also die Konsumenten. Das ist bei Technologie-Innovationen genau so – denken Sie an einen neuen Werkstoff aus der Chemie, der Autos und Flugzeuge leichter macht – aber dort hatten wir das schon lange auf dem Schirm und jetzt wollen wir das auch verstärkt im nichttechnischen Bereich nutzen.

Was ist eine nichttechnische Innovation?

Da geht es um ein breites Spektrum von Problemlösungen: Beispielsweise nie dagewesene Konzepte für Organisationsformen, Dienstleistungen oder das Marketing. Und natürlich auch, wie der Programmname schon sagt, neue Geschäftsmodelle. In der Praxis können das etwa neue Produktdesigns sein oder innovative Plattformkonzepte oder Service-Innovationen. Wir sortieren die Förderanträge im IGP nicht in Kategorien ein wie „Organisationsmodell“ oder „Design-Prototyp“ – wichtig ist vor allem der Neuheitswert. Dabei wollen wir Projekte mit innovativer Strahlkraft über den einzelnen Innovator und den Projetzeitpunkt hinaus unterstützen, also solche, die möglichst das Potenzial der Eingangs genannten beispielhaften Architektur-Innovation hat, die positiv auf andere Bereiche ausstrahlt.

Welche Vorteile für die Kreativwirtschaft versprechen Sie sich von dem Programm?

Wie gesagt geht es uns nicht um die Kreativwirtschaft allein. Aber selbstverständlich bietet der aktuelle Förderaufruf innovativen Unternehmen, Startups und Selbständigen der Kreativwirtschaft die Chance, Ideen in die Tat umzusetzen, die ohne das IGP nicht realisierbar wären. Ich kann allen, die Ihren Ideen großes Potenzial zutrauen, nur raten, sich auf unserer Webseite www.bmwi.de/igp vertieft mit der Förderung auseinander zu setzen. Das Förderverfahren ist mehrstufig: Der erste Schritt ist ein relativ kurzer Teilnahmeantrag, der die Projetidee und administrative Kernangaben enthält. Wir sichten und sortieren diese Anträge und laden die Kandidaten mit den aussichtsreichsten Ideen zum Pitch und zur Vollantragstellung ein. Wer es bis zum Ende schafft, erhält je nach Projektform für bis zu 300.000 Euro Projektkosten einen unterschiedlich hohen Prozentsatz erstattet. Wenn Wissenschaftspartner wie beispielsweise Kunsthochschulen an Bord sind, können diese bis zu 100% der Kosten erstattet bekommen.   

Was sind die weiteren Pläne des Bundes für die Branche?

Die Kreativwirtschaft spielt eine wichtige Rolle im Koalitionsvertrag und mit dem IGP sind wir schon ein großes Thema angegangen. Zusätzlich wird in der anstehenden deutschen EU-Ratspräsidentschaft auch Kultur- und Kreativwirtschaft eine Rolle spielen. In verschiedenen europäischen Programmen wie z.B. dem Forschungsrahmenprogramm Horizon Europe wird zunehmend über die Integration von Kreativwirtschaft nachgedacht, konkret wird z.B. an einer Ausschreibung zu einem Knowledge and Information Center KIC gearbeitet, einem sehr förderorientierten System für angewandte Forschung. Auch in der Industriepolitik spielt Kreativwirtschaft eine stärkere Rolle, weil die EU-Kommission das Thema als eines von 14 europäischen industriellen Ökosystemen identifiziert hat.

Wir setzen daher auf Bundesebene verstärkt auf die Verknüpfung mit Programmen und die Vernetzung von Akteuren. Die meisten nationalen Förderpolitiken sind für alle Branchen offen, die Ansprache der Kreativwirtschaft und die praktischen Rahmenbedingungen können aber optimiert werden. Dazu setzen wir neben unserem Kompetenzzentrum auf Bundesebene auch einen systematischen Dialog mit den Teilmärkten der Kreativwirtschaft fort – den Prozess „Forum Kultur- und Kreativwirtschaft“.

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